
Pflegekonzept
Unser Versorgungsrahmen umfasst vier pflegefachliche Grundausrichtungen, die in einer lebendigen Wechselwirkung zueinander stehen und Intensivpatienten in einen ganzheitlichen Versorgungsprozess integrieren.
Rehabilitation und Pflege
Wir unterstützen unsere Patienten in Hinblick auf körperliche und mentale Stabilisierungsprozesse. Hierzu gehört nicht nur die somatische Rehabilitation, etwa im Rahmen einer Beatmungsentwöhnung oder Dekanülierung, sondern auch die Förderung der mentalen Erstarkung, die eine persönliche Verarbeitung des Krankheitsgeschehens erlaubt. Auf diese Weise unterstützen wir die Wiedergewinnung und den Ausbau einer stabilen Alltagsarchitektur, in der Patienten auch nach starken gesundheitlichen Rückschlägen Autonomie und Lebensqualität zurückgewinnen. Wir stehen unseren Patienten als erfahrene und fachkundige Partner und Begleiter zur Seite, in einem wichtigen und nicht immer ganz einfachen Lebensabschnitt.
Spiritual Care
Oh Mensch! Gib Acht!
Was spricht die tiefe Mitternacht?
»Ich schlief, ich schlief –,
Aus tiefem Traum bin ich erwacht: –
Die Welt ist tief,
Und tiefer als der Tag gedacht.
Tief ist ihr Weh –,
Lust – tiefer noch als Herzeleid:
Weh spricht: Vergeh!
Doch alle Lust will Ewigkeit –,
– will tiefe, tiefe Ewigkeit!«.
​
(Das trunkene Lied; Friedrich Nietzsche)
Spiritual Care adressiert sowohl Menschen in der Langzeitpflege, als auch schwerkranke Menschen allgemein, sowie Menschen, die sich sehr nah am Lebensende befinden. Hierbei wird die pflegefachliche Unterstützung der Alltagsgestaltung durch verschiedene Methoden angereichert, etwa durch erweiterte Formen der Biographiearbeit, oder durch die Vermittlung entspannungsfördernder Bewusstseinstechniken.
Zur Förderung eines lebendigen Versorgungsgeschehens fließen kunst- und musiktherapeutische Gestaltungselemente in den Pflegeprozess ein, ebenso wie kreative Körperarbeit und tiergestützte Begegnungsmöglichkeiten.
Auf diese Weise ermöglichen wir einen psychodynamischen und personenzentrierten Versorgungrahmen, in dem die Bewohner nicht nur Obhut, Zuwendung und Entspannung erfahren, sondern zudem die Möglichkeit, sich kreativ auszudrücken und ihr Krankheitsgeschehen individuell zu interpretieren. Uns liegt ein umfassend gesundheitsförderliches und lebendiges Arbeitsumfeld am Herzen, von dem Bewohner und Mitarbeiter gleichermaßen profitieren.
Pflege bei
Wachkoma
Das Leben ist kein zu lösendes Problem, sondern ein zu lebendes Mysterium.“ (Osho)
Koma bildet eine existentielle Grenzerfahrung, die auf die Tiefendimensionen der Existenz und des menschlichen Zusammenlebens verweist und über keine anderen Seinsweisen erfahrbar ist. Daher orientiert sich unser professionelles Verständnis ausdrücklich an den Kompetenzen von Menschen im Wachkoma, deren Ausdrucksweisen handlungsleitenden Charakter entfalten. Unser Versorgungsrahmen geht daher weit über die Entsprechung körperlicher Bedürfnisse hinaus. Im Mittelpunkt steht die pflegefachliche Beziehungsarbeit, die psychodynamische Entwicklungsmöglichkeiten zwischen Fachkräften und Betroffenen fördert und die individuellen Erlebniswelten der Betroffenen abbildet.
Die Sicherstellung der laufenden Regelversorgung wird angereichert mit pflegetherapeutischen Gestaltungselementen. Die Integration von Basaler Stimulation®, des körpernahen Dialogaufbaus (Zieger) und von Therapieelementen nach Affolter fördern die resonanzfördernde Beziehungsarbeit zwischen Patienten Pflegefachkräften. Musik- und entspannungstherapeutische Interventionen, sowie die Verwendung von Snoezelen-Elementen leisten einen langfristigen Beitrag zu Wohlbefinden und Stressreduktion der Bewohner.
In der professionellen Palliativpflege geht es vorrangig um intensive mitmenschliche Zuwendung für Menschen, die sich nah, oder sehr nahe am Lebensende befinden. In chronischen und stabilen Phasen steht die Linderung bestehender Beschwerden im Mittelpunkt, sowie die Förderung von Lebensqualität, Zufriedenheit und Wohlbefinden.
In instabilen und sterbensnahen Situationen hingegen besteht das Versorgungsziel in einer schmerzlindernden und wohltuenden Behandlung.
Für eine ganzheitliche Pflegepraxis stellt das Total Pain Konzept die handlungsleitende Grundlage. Hierbei werden nicht nur körperliche Versorgungsaspekte in den Blick genommen. Ebenso werden psychische, soziale und spirituelle Dimensionen berücksichtigt. Ein pflegefachlich ganzheitliches Handeln würdigt dabei die Persönlichkeit der betreuten Patienten, berücksichtigt das individuelle Krankheitsgeschehen und schafft Freiräume zur individuellen Krankheitsbewältigung.
Hierbei gelten die traditionellen palliativmedizinischen Versorgungsprinzipien: Reduzierung von Schmerz; - Anerkennung von Leben und Sterben als physiologische Prozesse; - Integration psychologischer und spiritueller Aspekte; - Unterstützung der Angehörigen; - Patienten- und Familien-orientierte Entscheidungsfindungen; - emotionale Unterstützung; - symptom- und komfort- orientierte Pflege; - Würdigung der Patientenautonomie; - Reduktion der Angehörigenbelastung; - die spirituelle, emotionale und organisatorische Unterstützung durch das Behandlungsteam, -sowie eine adäquate Schmerz- und Symptomtherapie in Verbindung mit dem Expertenstandard Schmerzmanagement in der Pflege.
Durch eine dynamische Form der Patientenverfügung stellen wir eine vorausschauende und bedürfnisorientierte Versorgungsplanung sicher.
Konkrete Patientenbedürfnisse werden bereits bei der Aufnahme zur Sprache gebracht, insbesondere in Hinblick auf mögliche medizinischen Krisen. Somit wird ein handlungssicheres Vorgehen in Notfällen sichergestellt. Zudem werden Krankenhauseinweisungen vermieden, die nicht dem tatsächlichen Patientenwillen entsprechen. Hierfür werden die betreuten Patienten in einen strukturierten Beratungs- und Begleitungsprozess integriert, der als dynamisierte Form der Patientenverfügung verstanden werden kann. Patienten werden bei ihrer Willensbildung und Entscheidungsfindung kontinuierlich und strukturiert unterstützt. Hierbei wird vor allem Bezug genommen auf Fragestellungen in Verbindung mit Maximaltherapie, Therapieverzicht, Therapiezieländerung und Therapiebegrenzung.